Mann ist ein Angsthase. Er fürchtet sich ständig und vor allem und jeden.

Er hat Angst vor dem Zahnarzt und dem Urologen. Er fürchtet sich nach dem Weg zu fragen. Er hat Angst Frauen anzusprechen und Beziehungen zu beenden. Er fürchtet sich jeden Tag davor zur Arbeit zu gehen. Er fürchtet sich davor die Wahrheit zu sagen. Er hat Angst Fehler zuzugeben. Er hat Angst zu versagen. Er fürchtet sich vor dem Älterwerden und dem Tod. Er hat Angst vor Schmerzen. Er fürchtet sich davor Gefühle zuzulassen und sie offen auszudrücken. Er hat Angst über sein Einkommen zu sprechen. Er hat Angst etwas zu geben, ohne etwas zu bekommen. Er fürchtet sich davor ausgenutzt zu werden. Er fürchtet sich vor überlegenen Frauen und vor Doktortiteln. Er hat Angst kein Mann zu sein. Mann hat Angst seine Angst zu zeigen …

Mann ist ein Held.

Er fürchtet sich wenn es Grund dazu gibt, lässt sich aber nicht von der Angst lähmen. Er ist zielstrebig und selbstsicher. Er lebt das Leben, das er gewählt hat, mit Integrität und Humor. Er ist sensibel, spontan und auf lebendige Weise spirituell.
Das Weibliche wirkt erregend auf diesen Mann. Er ist ein Mann, der seine Partnerin voller Leidenschaft umarmt und mitreißt. Er hat einen Beruf, der ihn erfüllt. Er weiß um seine Stärken und Schwächen.
Er ist kein Macho, der sich wie King Kong in Pose wirft. Er ist kein New-Age-Softie, der kein Rückgrat besitzt. Er hat seine maskuline und seine feminine Seite angenommen, aber bevorzugt keine von beiden. Er muss nicht immer recht haben, aber auch nicht immer berechenbar sein. Er lebt aus dem tiefsten Kern seines Wesens und teilt seine Talente mit anderen. Mann hat keine Angst, seine Angst zu zeigen …

Ich behaupte, dass die meisten Männer sich verstellen.

Wir tun so, als wären wir glücklich und alles ist eitel Sonnenschein. Die meisten von uns spielen ihre Rolle recht gut. Wir schaffen es unsere Partnerin, unsere Kinder und die Gesellschaft zu täuschen. Wir arbeiten daran, diese Fassade aufrecht zu halten um uns zu schützen. Wir schaffen es sogar uns selbst zu beschwichtigen und nur in seltenen Momenten der Offenheit bricht der Schmerz aus uns heraus. Einige von uns lassen diese Offenheit ihr Leben lang nicht zu und sterben dafür an Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs oder sie setzen ihrem Leben selbst ein Ende (die dritthäufigste Todesursache von Männern zwischen 15 und 65 ist Selbstmord). Viele hoffen, dass es eines Tages „Bumm“ macht, und alles ist gut. Leider passiert das nicht.

Rund um die Uhr eine Rolle zu spielen ist natürlich anstrengend. Kein Wunder also, wenn die typisch männliche Fassade bisweilen Risse zeigt. Vielleicht habt ihr das schon gespürt, diese seltenen Augenblicke, die uns eine Ahnung davon geben, wie das Leben wirklich sein könnte:
Momente allein in der Natur, Minuten der Nähe und der Leidenschaft im Liebesakt, im Spiel mit unseren Kindern, in der Musik, im Film … in diesen Momenten spüren wir wie sich Mannsein anfühlt.
Wir Männer können lernen diese Momente auszudehnen. Wir haben die Wahl ob wir Angsthase oder Held sein wollen.

Wir müssen nicht lernen Mann und Held zu sein, wir müssen es nur wiederentdecken.

Das können wir allerdings nicht alleine tun.

Kein Mensch – und schon gar kein Mann – kann sich ohne die Hilfe anderer Männer auf Dauer zum Besseren verändern.

Also … findet eine Männergruppe! Eine gute Initiative ist (in Österreich) EinfachMann.