Männer und Frauen gehören unterschiedlichen Planeten an. Das ist nichts Neues. Aber wie verschieden die beiden Spezies wirklich sind, beginnen wir erst langsam zu verstehen.

Warum diese Verschiedenheiten existieren, kann im Moment mit letzter Sicherheit noch niemand sagen. Unbestritten ist, dass sowohl Biologie als auch Soziologie eine Rolle spielen. Auf welcher Seite der größere Einfluss liegt, ist unter den Wissenschaftlern umstritten. In den 70er Jahren galten die Unterschiede hauptsächlich als ein Produkt der geschlechtsspezifischen Konditionierung, wurden also als sozial bedingt angesehen.

Heutzutage scheint der Trend in die andere Richtung zu gehen. Die wissenschaftlichen Belege für angeborene, biologische Unterschiede werden immer mehr.

Die Gesellschaft, in der die aufwachsen, beeinflusst uns zwar, im Wesentlichen aber durch Verstärkung unserer naturgegebenen Unterschiede.
Anne Moir, David Jessel, Brain Sex

Natürlich haben beide Faktoren – der biologische und der soziologische – Einfluss. Welcher der beiden überwiegt, kann ich euch auch nicht sagen. Tatsache ist, dass die Unterschiede für uns alle sichtbar und wahrnehmbar sind.

Meiner Erfahrung nach sind genau diese „Differenzen“ – oder besser gesagt das fehlende Verständnis für die geschlechtsspezifischen Unterschiede – einer der wichtigsten Trennungsgründe (die aktuelle Scheidungsraten liegt immerhin bei über 50 %).

Vorweg ist es wichtig zu betonen, dass natürlich keine Frau und kein Mann gleich sind. Jeder von uns ist einzigartig. Und trotzdem liegt unserer Individualität eine geschlechtsspezifische Persönlichkeit zu Grunde. Wir alle sind weiblich bzw. männlich geprägt… mehr oder weniger.

Keiner von uns passt haargenau in eine bestimmte Schublade und ja … diese „Männer sind vom Mars und Frauen von der Venus-Geschichten“ sind Verallgemeinerungen und Verallgemeinerungen beschreiben eben den Durchschnitt. Sie sagen viel über eine große Gruppe von Menschen aus, sagen aber wenig über den einzelnen.

Klar können Verallgemeinerungen auch gefährlich sein und ich habe schon viele erboste Kommentare zu meinen Artikeln bekommen. Aber wenn sie nicht über solche Verallgemeinerungen lachen können, dann wahrscheinlich deshalb, weil das beschriebene Thema genau ihres ist ;-)

Deborah Tannen, die Autorin von Du kannst mich einfach nicht verstehen schreibt:

Ganz besonders leiden Frauen darunter, wenn wir die Unterschiede nicht deutlich machen, denn wir haben eine Norm in diesem Land – und diese Norm legt den Mann als Maßstab zu Grunde.

Behalten wir uns diejenigen Wesenszüge, die uns nützlich sind und hinterfragen oder ändern wir diejenigen, die uns hindern mit dem Partner glücklich zu werden. Ich bin davon überzeugt, dass Frauen und Männer zu ihren individuellen Persönlichkeitsmerkmalen stehen können und trotzdem erkennen, wie fruchtbar diese Unterschiede sind.

Der Unterschied #1

Das größte Problem einer Frau in einer Beziehung ist, ihr Selbstwertgefühl zu behalten, während sie sich so sehr darum bemüht, die Bedürfnisse anderer zu erfüllen.

Die größte Schwierigkeit für einen Mann ist, seine Neigung zur Selbstbezogenheit zu überwinden.

Diese beiden Zitate stammen von John Gray – genau, das ist der mit den Mars/Venus-Geschichten – und drücken sehr gut den wahrscheinlich wesentlichsten Unterschied zwischen Frauen und Männern aus.

Frauen definieren sich hauptsächlich über die Beziehungen zu den Menschen in ihrem Umfeld.

Im Allgemeinen orientieren sie sich mehr nach außen und haben ein großes Interesse für andere. Das Sich-kümmern ist ein typischer, weiblicher Charakterzug und sehr oft verausgaben sich Frauen auch dabei den Bedürfnissen der Menschen in ihrem Umfeld gerecht zu werden.

Männer empfinden sich selbst an erster Stelle und beziehen ihr Selbstwertgefühl aus dem Messen mit anderen.

Die Bedürfnisse anderer Menschen stehen für sie erst an zweiter Stelle. Dieser Charakterzug erlaubt es Männern natürlich mutiger, entschlossener und auch rücksichtslos zu handeln als Frauen es täten. Das hatte in früheren Zeiten in einem lebensbedrohlichen Umfeld durchaus seine Vorteile…

Heutzutage fällt es dadurch aber Männern naturgemäß schwerer auf andere zuzugehen und echte, tiefe Beziehungen aufzubauen. Natürlich spielt auch die männliche Architektur des Gehirns eine wesentliche Rolle dabei, aber davon wird in einem weiteren Artikel die Rede sein. Männer benötigen einfach mehr Kraft um „psychisch-emotionale Brücken“ zu überschreiten. Frauen sind diese Brücken ;-)

Sicher … es gibt auch immer wieder Frauen, die kaum auf andere bezogen sind und Männer, die zu starker Empathie tendieren. Weder das eine ist besser als das andere. Konflikte können entstehen, wenn ein übertriebener Selbstwert mit wenig Mitgefühl für andere verbunden oder zu viel Mitgefühl mit wenig Selbstwert gekoppelt ist.

Der ausgewogene Mittelweg ist wahrscheinlich der goldene. Gut in sich selbst zentriert zu sein verbunden mit gesundem, mitfühlendem Interesse für andere …

Die Beschwerde #1

Am häufigsten beschweren sich Frauen über emotional zurückhaltende und schweigsame Männer.

Männer ziehen sich in ihre Höhle zurück, z.B. vor den Computerbildschirm, den Fernseher oder in den Bastelkeller und „mauern“ vor den Kommunikationsversuchen ihrer Partnerinnen.

Für Frauen gehört das offene Bedürfnis nach Nähe zu ihrer Natur, während Männer dazu neigen enge Beziehungen „kontrollieren“ zu wollen. Das Öffnen von Herz zu Herz fällt den meisten Männern ungleich schwerer als Frauen. Frauen sehnen sich nach Kommunikation, Intimität und liebevoller Verbundenheit, während Männer aufgrund ihrer „kontrollierenden Natur“ auf Abstand gehen.

Allein in Körperhaltungen und kleinen Gesten lassen sich diese typischen Charaktermerkmale erkennen.

Ist ihnen schon aufgefallen, wie gerne sich Frauen untereinander in einem Gespräch berühren? Je enger die Beziehung und je tiefer das Gespräch, umso häufiger wird wechselseitig an den Haarlocken gespielt, an der Kleidung herumgezupft oder zärtlich über den Arm gestrichen.

Können sie sich zwei Männer vorstellen, die in einem vertrauten Gespräch beginnen sich gegenseitig an den Haaren oder den Ohrläppchen zu ziehen? Eben ;-)

Frauen erwarten sich in ihren Partnerschaften oft genau die Intimität und Nähe, die einfach zu ihrer Natur gehören … und meist spielen die Männer dabei nicht mit.
Es gibt keine feste Richtlinie. Jedes Paar muss für sich das richtige Maß an persönlicher Nähe finden. Und das klappt nur über bewusste Beschäftigung bzw. „Beziehungsarbeit“. Hier sind es die Männer, die sich einen „Ruck“ geben müssen.

Entscheidet euch im Paar bewusst für regelmäßige Arbeit an eurer Partnerschaft und sucht euch unbedingt externe Angebote!

Es ist ungleich einfacher ein Seminar zu besuchen oder sich einer Initiative anzuschließen, die sich mit Beziehungspflege beschäftigt, als zu versuchen alleine als Paar initiativ zu werden. Die meisten guten Vorsätze („Wir gehen einmal pro Woche gemeinsam essen um zu reden“) lösen sich schnell in der Suppe des Alltags auf.

Macht einen Paarworkshop, ein Kommunikationstraining oder besucht ein Tantra-Seminar. Es gibt so viele Möglichkeiten …

2 Empfehlungen aus meiner persönlichen Erfahrung:

Marriage Encounter – Beziehungsseminare
Verein Lichtung – Tantra ist Lebensfreude

Worauf wartet ihr?