Eine aktuelle Studie der Genderforscherin Alice Eagly kommt zu dem Ergebnis, dass Frauen als sehr positiv bewertet werden und zwar von beiden Geschlechtern. Männer hingegen wurden von einem Großteil der Befragten als negativ bewertet … auch wieder von Frauen und Männern.

Alle mögen also Frauen, aber niemand scheint Männer zu mögen.

Die Vorstellung, dass ein Geschlecht dem anderen überlegen sein soll, ist klarerweise vollkommen unnatürlich. Wenn wir den Gesetzmäßigkeiten der Darwin´schen Evolutionslehre Glauben schenken, können wir davon ausgehen, dass die Natur Eigenschaften und Unterschiede einer Spezies auswählt und beibehält, die das Überleben sichern und nützlich sind. Daraus lässt sich ableiten, dass Frauen und Männer naturgemäß gleichwertig, aber trotzdem verschieden sind. Und das aus gutem Grund.

Kann es sein, dass die Verschiedenartigkeit zwischen Mann und Frau viel mehr mit dem Wollen zu tun hat, als mit den Fähigkeiten? Ist es möglich das Unterschiedlichkeit eine reine Frage der Motivation ist?

Betrachten wir ein klassisches Beispiel innerhalb der Vorlieben: Sex.
Was meinen Sie? Welches Geschlecht denkt häufiger an Sex, will öfter Sex, befriedigt sich öfter selbst, hat im Laufe des Lebens mehr Geschlechtspartner, ist in der Triebbefriedigung risikofreudiger oder nützt öfter Gelegenheiten? Die Forschung stellt es klar… und damit ist es quasi offiziell: Männer sind „sexbesessener“ als Frauen.

Anderes Beispiel: Der Job. 80% aller Menschen, die unter die Bezeichnung „Workaholic“ fallen, sind Männer, die 50 Stunden und mehr pro Woche arbeiten.

Nehmen wir etwas Abstrakteres: Kreativität. Hier belegt die Wissenschaft eindeutig, dass außergewöhnliche Kreativität weder Frauen noch Männern eindeutig zugeordnet werden kann. Beide sind gleich kreativ. Trotzdem finden wir innerhalb der Menschheits- und Kulturgeschichte deutlich mehr Beispiele für männliche Kreativität. Auch hier lässt sich eindeutig belegen, dass große Erfindungen, politische Umwälzungen und gesellschaftliche Entwicklungen mehrheitlich von Männern initiiert wurden.

Warum zum Teufel scheinen dann Männer so ein schlechtes „Image“ zu haben?

Warum gibt es in der Musik (speziell im Jazz) viel weniger, herausragende, weibliche Musiker? Am Können liegt es nicht. Männer und Frauen sind gleichermaßen musikalisch talentiert. Kann es sein, dass in bestimmten Bereichen die spezielle Motivation fehlt? Sind Männer tendenziell bereiter etwas Neues zu versuchen? Hat das Ganze etwas mit sozialer Intelligenz und sozialem Verhalten zu tun?

In der Sozialpsychologie existieren generell zwei Formen von Beziehungen:
1. Enge und intimere Beziehungen und
2. Beziehungen in größeren Rahmen und Netzwerken
, in denen Bindungen zu anderen „flacher“ sind.

Frauen scheinen engere Beziehungen zu bevorzugen und sich darin auch besser zu verhalten als Männer. Männer fühlen sich in breiter gestreuten Netzwerken wohler.

Beantworten Sie für sich folgende Frage: Haben Sie lieber wenige, enge Freunde oder möchten Sie lieber möglichst viele Menschen kennen?
Die meisten tendieren zu Ersterem. Dabei beziehen wir uns auf unser persönliches Empfinden und weniger auf unser gesellschaftlich-berufliches Umfeld.

Studien und Experimente haben gezeigt, dass Männer in einem breiteren Kontext sozialer und auch hilfsbereiter sind. Sie engagieren sich lieber in größeren Netzwerken und in der Öffentlichkeit. Frauen hingegen sind in engeren Beziehungen hilfsbereiter und verlässlicher. Auch das könnte eine Frage der Motivation und der Wichtigkeit sein.

Frauen und Männer sind also auf unterschiedliche Art und Weise sozial.

Frauen konzentrieren sich vermehrt auf kleinere, gesellschaftliche „Zellen“, während Männer oberflächlichere Beziehungen in größeren Gruppen bevorzugen. Männer sind zum Beispiel häufiger Mitglieder in Vereinen, Sportklubs, politischen Verbänden oder sonstigen Netzwerken.

Hier spielt wieder die Motivation eine Rolle. Frauen drücken Gefühle offener aus als Männer, denn in intimen Beziehungen ist gute Kommunikation wichtig. Besseres Verständnis der Partner ermöglicht bessere Unterstützung.

In großen Gruppen oder Netzwerken ist es wesentlich riskanter Gefühle offen zu zeigen, vor allem im Geschäftsleben. Hier gibt es Konkurrenz und Rivalität. Es ist also notwendig persönliche Kommunikation und Gefühle dem Nutzen anzupassen. Das macht das Beziehungsgeflecht damit effizienter aber oberflächlicher.

In kleinen, persönlichen Gruppen ist Kooperation wichtiger als Wettbewerb. Wer will denn schon gegen den Lebenspartner konkurrieren? In größeren Gruppen kann es nützlich und notwendig sein sich durchzusetzen und die Zielsetzung der Gruppe zu beeinflussen.

Männer unterscheiden sich gern von anderen Männern um sich „besonders“ fühlen zu können. Für Frauen ist es nicht so wichtig sich ständig hervorzuheben. Sie betonen Harmonie und Übereinstimmung mit dem Gegenüber.

Wenn du der einzige Mann im Team bist, der den Computer des Chefs neu aufsetzen kann, dann braucht die Gruppe dich. Du beweist damit deinen Wert.
In einer Partnerschaftsbeziehung ist das natürlich anders. Der Mann wird seine Frau oder sein Kind auch lieben, wenn sie nicht mit dem Computer umgehen können. Ein Mann ist ständig gezwungen sich in der Gruppe zu beweisen. Das ist für eine Frau im Familienkreis nicht notwendig und auch nicht wichtig.

Unsere Gesellschaftsleben stützt sich – was größere Systeme und Institutionen betrifft – auf Männer, während das soziale Herz – Beziehungen und Familie – von Frauen am Leben gehalten wird. Beides ist für uns Menschen und unsere Kultur notwendig. Keines davon ist besser oder schlechter.

 Zum Schluss eine interessante Definition von Männlichkeit:

Mann zu sein, heißt mehr hervorzubringen, als man verbraucht. Wer auf Kosten anderer lebt, ist kein Mann.

Darüber lohnt es sich nachzudenken …

Quelle: Vortrag von Roy F. Baumeister, Is there anything good about men?