Wahrscheinlich treffen irgendwo im Umkreis eures Wohnorts alle paar Wochen ca. vier bis zehn Männer zusammen, die miteinander über ihr Leben reden.

Eine Männergruppe.

Frauen oder Partnerinnen räumen an einem solchen Abend meist gern das Feld, weil sie sich über das Resultat solcher Treffen freuen ― einen zufriedeneren, ausgeglicheneren, stärkeren und friedlicheren Mann.

Zur einer echten Männergruppe gehören feste Regeln

Es gibt keinen Zwang zum Reden, sofern sie nicht von sich aus dazu bereit sind. Es ist üblich andere ausreden zu lassen und sie weder mit Gegenthesen noch mit wohlmeinenden Ratschlägen zu unterbrechen. Die meisten Menschen erleben dies zur Genüge im normalen Alltag.

Für Fachdiskussionen, theoretische Abhandlungen oder politische Ideologien ist eine Männerrunde nicht der richtige Ort.

Man kann einen ganzen Abend darüber diskutieren, wie der Konflikt im Nahen Osten behoben werden könnte, aber das wird nichts an dem Konflikt im heimischen Gefilde mit der Ehefrau ändern.

Diese Themen können am Stammtisch im Wirtshaus besprochen werden ;-)

Männergruppen treffen sich meistens in Privathaushalten, bisweilen kommen sie aber auch in Gemeindehäusern oder in Gesundheitszentren zusammen.

Die meisten verfolgen nur ganz allgemeine Männeranliegen, manche kümmern sich aber auch um Geschlechtsgenossen mit Gewaltproblemen oder um Männer mit Gesundheits- oder Eheproblemen. Manche Gruppen nehmen nur eine beschränkte Zahl von Mitgliedern auf, gewähren jedoch periodisch neuen Interessenten Zutritt.

Üblicherweise beginnt alles damit, dass irgendwer ein paar Freunde einlädt und eine eigene Gruppe gründet. Manche Gruppen diskutieren zunächst etwa über ein Buch oder sprechen über eine Liste von Themen, auf die sich die Teilnehmer geeinigt haben. Meistens führt einer der Anwesenden ― nach dem Rotationsprinzip ― den Vorsitz, da Männer klare Strukturen lieben und zudem „Ergebnisse“ sehen wollen.

In Männergruppen geht es bisweilen ziemlich emotional zu

Wenn Männer plötzlich in einem separaten Raum zusammenkommen und sagen können, was sie empfinden, ohne die üblichen Spielchen zu spielen, so hat das eine befreiende Wirkung. Wenn Männer wissen, dass ihre Geschichten Gehör finden und ernst genommen werden, drängt häufig viel bis dahin Verdrängtes an die Oberfläche.

Männergruppen haben aber auch eine durchaus praktische Seite.

Sie befassen sich mit allen möglichen Themen, etwa: „Wie bringe ich meine Kids zur Räson?“ Oder: „Wie kann ich aus einem krank machenden Beruf ausbrechen und mehr Zeit für mich gewinnen?“ Vielleicht handelt es sich aber auch um eine sehr freie Diskussion über Sex. Oder aber ein Mann berichtet über seine derzeitige Ehekrise oder erzählt, dass seine Frau unter einer schweren Krankheit leidet. Junge Männer ― deren Väter sich mehr oder weniger elegant aus dem Staube gemacht haben ― finden vielfach Ersatzväter und -onkel in einer solchen Gruppe.

Männer haben einen anderen Gesprächsstil als Frauen: Sie sind weniger „vorsichtig“ und stimmen nicht gleich allem zu, was einer der Anwesenden von sich gibt.

Niemand muss in einer Männergruppe sein Innerstes nach außen kehren

Aber vielleicht genau aus diesem Grund fassen die meisten schon bald Vertrauen ― gerade wenn sie erleben, wie viele Erfahrungen sie mit den anderen Teilnehmern gemeinsam haben.

Mann erhält von den übrigen Mitgliedern auch immer wieder nützliche, praktische Ratschläge und kann so allmählich alle Masken ablegen. Dieses Gefühl der Entspanntheit überträgt sich dann im Laufe der Zeit auf sämtliche Lebensbereiche (was man z.B. mit Alkohol niemals zu Stande bringt), weil sich der Veränderungsprozess Schritt für Schritt vollzieht. Und plötzlich gewinnt das Leben wieder einen Sinn.

Die meisten Männergruppen organisieren irgendwann gemeinsame Unternehmungen. Wenn die meisten Mitglieder Vater sind, werden häufig auch die Kinder mit einbezogen.

männergruppe - männerrunde

Zusammenfassung: Die 8 Grundregeln einer guten Männergruppe

1) Logisch … nur Männer erlaubt!

Eine Männerrunde besteht aus Männern. In solchen Kreisen darf Mann einfach Mann sein – Punkt!
Das hat folgenden Vorteil: Durch das Fehlen von Frauen, gibt es auch keine Frauen zu beeindrucken. Damit fällt Revier- und Balzverhalten im großen Maße weg. Natürlich gibt es immer wieder einige Kerle, die versuchen durch Prahlerei und Angeberei aufzufallen.

Häufig verläuft sich diese Strategie jedoch schnell im Sand, weil klar wird, welche Unsicherheiten und Minderwertigkeitsprobleme hinter der Prahlerei liegen. Es kommt nicht darauf an, wer das größte Schiff hat, sondern wie gezielt du damit dein Ziel ansteuerst.

2) Nur wichtige Themen

Viele Männer sind großartige Meister darin, von den wichtigen Themen in ihrem Leben abzulenken. Da wird über den Abstieg vom Lieblingsverein gesprochen, die Politik, die in allem versagt oder das unfaire Wirtschaftssystem im fernen Asien.

In richtigen Runden gibt es dafür nur wenig Raum. Solche Themen bieten nur wenig Wachstumsmöglichkeiten für den einzelnen Mann. Fokussiere dich besser auf die Themen, die dich in deinem Leben wirklich direkt beeinflussen.

  • Wie geht es dir?
  • Was in deinem Leben läuft toll und was weniger toll?
  • Wo willst du in deinem Leben hin?
  • Welche Sorgen plagen dich?
  • Wie ist die Beziehung zu deinem Vater/Mutter?
  • Wie geht´s den Kindern?

3) Männerrunden sind lösungsorientiert

Diese Regel sollte Allgemeingültigkeit in allen Lebenssituationen haben. Es hat keinen Sinn stundenlang über ein Problem zu reden, ohne eine Lösung zu formen. Achte darauf, dass Lösungen geboten werden – also Ansätze, die den anderen Mann in seiner Entwicklung voran bringt.

Du kannst die 20/80 Regel nutzen. 20 Prozent der Zeit Problembewusstsein schaffen und 80 Prozent mögliche Lösungen formulieren. Viele machen es genau anders herum. 80 Prozent über Probleme labern und 20 Prozent mal ne Lösung formulieren. Dass das eher frustriert und Energie verpulvert, wird jedem klar, der es mal anders herum ausprobiert.

Also achte darauf, dass ihr über Lösungsansätze nachdenkt und redet!

4) Vertrauen

Ein großer Fokus liegt darin, dass sich jeder in einer solchen Runde früher oder später öffnet. Dass jeder ehrlich aus seinem aktuellen Leben berichtet. Ein Raum wird damit geöffnet, wie er sonst nur selten in der Männerwelt vorhanden ist.

Für diesen Raum braucht es Ehrlichkeit und Vertrauen. Vertrauen, das manchmal Zeit braucht, bis es wirklich da ist.

Was in dieser Runde besprochen wird, bleibt auch in der Runde! Persönliche Themen anderer werden nicht nach außen kommuniziert (außer es wird anders vereinbart).

Je nach Größe eurer Runde lohnt es sich sicherlich, kleine Rituale einzupflegen, um das Gemeinschaftsgefühl von Ehrlichkeit und Vertrauen zu verstärken. Jeder verspricht zum Beispiel am Anfang der Runde, dass alle Details aus dem Treffen mit Vertrauen behandelt und nicht nach außen getragen werden. Auch eine herzliche Umarmung zur Begrüßung kann viel Vertrauen und Sympathie schaffen.

Achte auch darauf, dass eure Runde nicht nur einmal stattfindet, sondern in regelmäßigen Abständen zusammenkommt. Das kann z.B. einmal im Monat sein. So können sich Männer immer wieder begegnen und tiefgehende Freundschaften daraus schließen.

5) Regelmäßigkeit

Wie eben schon erwähnt, lohnt es sich eine Männergruppe in regelmäßigen Abständen stattfinden zu lassen. Mit jedem weiteren Treffen wird die Runde vertrauter. Individuelle Prozesse können so über längere Zeiträume hinweg stattfinden.

6) Freier Wille und Ehrlichkeit

Bei all den vorhergehenden Regeln ist diese wirklich wichtig! Niemand wird zu etwas gezwungen. Jeder darf sich nach seinem Willen frei mitteilen und entwickeln. Oder eben nicht.

Es sollte keine Angst vor Äußerungen geben. Aber wenn sich ein Mann zum Beispiel nicht darüber unterhalten möchte, wie es gerade in seiner Beziehung läuft, so ist das zu respektieren.

7) Bleibe in Kontakt

Diese Regel ist im Gruppenaustausch miteinander wichtig. Bleibe in Kontakt mit den anderen Männern, auch wenn dich einige Themen möglicherweise nicht sonderlich interessieren.

Vielleicht redet jemand über das Problem arbeitslos zu sein und keinen Job zu finden, was dich nicht wirklich interessiert, weil du einen Job hast. Für den anderen ist dieses Thema aber gerade das wichtigste Thema der Welt.

Achte und Ehre die Bedürfnisse des Anderen. Versuche ihn in seinem Prozess zu unterstützen, indem du ihm Lösungsansätze vorschlägst oder einfach „nur“ zuhörst. Das selbe kannst du erwarten, wenn es dir einmal mies geht oder dich Sorgen quälen.

8) Du hast Verantwortung in einer Männergruppe

Männergruppen stellen auch moralische Anforderungen. So unterwerfen sich Mitglieder der Verpflichtung, gegenüber Frauen, Kindern sowie anderen Gruppenangehörigen niemals gewalttätig zu agieren oder drohend und herabwürdigend zu sprechen.

Sei dir klar, dass eine solche vertrauensvolle Runde eine gewisse Verantwortung mit sich bringt. Worte können wehtun. Wenn du z.B. einen anderen Mann auf etwas hinweisen möchtest, dann mach das respektvoll und höflich. Achte darauf den Anderen nicht zu verletzen. Es geht zwar um Wachstum der individuellen Persönlichkeit, aber nicht zu jedem Preis!

Klar … manchmal muss Tacheles gesprochen werden, aber deine Verantwortung in der Gruppe ist es den anderen Männern etwas Positives mitzugeben. Du musst nicht mit allem einverstanden sein. Wenn du anderer Meinung als dein Gegenüber bist, kannst du das kommunizieren ohne jemanden herunterzumachen … männlich, klar und respektvoll.

Also Männer … sucht euch einen „Stamm“, eine Männergruppe. Wenn ihr keine findet, gründet mit Freunden selbst eine.

Macht euch auf den Weg! Unsere Welt braucht gute Männer!