
Konflikte gehören zu einer Beziehung ... sie sind sogar Voraussetzung für Vertrautheit. Wir Männer sind schließlich anders als Frauen, sonst wäre es ja furchtbar langweilig. Manche Themen entwickeln sich allerdings im Laufe der Jahre zu regelrechten Minenfeldern ...
Hier ist dann "Kampf" (Streit) nötig, d.h. ein plötzlicher (oft lautstarker) Ausbruch von Gefühlen und Ausdruck einer Meinungsverschiedenheit.
Wir sprechen hier von echtem Streit, nicht von einer ruhig geführten Diskussion. So ein "Kampf" ist aber kein Hinweis auf eine grundsätzliche Beziehungskrise. Er kann notwendig sein um z.B. verdrängte Nähe wiederherzustellen (wir alle kennen die enspannende Nähe der Versöhnung).
Laut Forschungsergebnisen gibt es unter 10 Paaren nur eines, das nicht streitet ... und diese Menschen sind meist überragende Vedrängungskünstler. Viele werden es vielleicht nicht glauben, aber wir können auch fair streiten. Das ist nicht nur möglich, sondern sogar notwendig, wenn eure Partnerschaft halten soll.
Methoden wie körperliche Gewalt, Einschüchterungsversuche, Beschimpfungen und Beleidigungen sind generell verboten.
„Fair streiten“ bedeutet:
Streiten verlangt besondere Aufmerksamkeit weil es einen doppelten Zweck erfüllt: Es baut erstens Barrieren zwischen zwei Menschen ab und verschafft endlich einer Botschaft Gehör, die bis jetzt (wegen der Barrieren) nicht gehört wurde.
Diese Botschaft ist immer eine positive, selbst wenn sie in negative Worte verpackt wird. Wenn ihre Partnerin mit ihnen streitet, dann deshalb, weil ihr die Beziehung etwas wert ist und sie dafür kämpfen möchte. Wäre sie ihr gleichgültig, gäbe es keinen Grund für Streit. Also Männer ... gefährlich wird es dann, wenn wir nie streiten und sich unsere Partnerin abwendet.
Streit gibt uns ausserdem die Möglichkeit Dinge von unserer Partnerin zu erfahren, die ihr sonst nur schwer über die Lippen kommen. Damit der Streit nicht ins Destruktive abrutscht, ist es lebens-, d.h. beziehungsnotwendig streiten zu lernen ... darum kommen wir nicht herum.
Hier sind nun die wichtigsten Regeln für faires Streiten (nach Ken und Elisabeth Mellor):
Vergesst nicht, dass das Ziel jedes Streits mehr Nähe ist. Streit beseitigt Hindernisse und lässt Energien wieder fließen.
Noch ein paar Worte zum Thema Streiten vor Kindern:
Es schadet Kindern nicht, wenn Eltern in ihrer Gegenwart streiten – sofern sie die vorangegangenen Streitregeln einhalten und nicht destruktiv werden. Natürlich wird Streit den Kindern meist unangenehm sein, aber er ist immer besser als düsteres Schweigen oder spürbarer, versteckter Ärger. Meist reicht es zu sagen: „Wir schaffen das schon, mischt euch bitte nicht ein. Das hat nichts mit euch zu tun.“ Das gilt für geringe – und das sind die meisten – Auseinandersetzungen.
Schwerwiegende Debatten über Arbeit, Sexualität, Ehekrisen etc. solltet ihr nicht in Anwesenheit eurer Kinder führen.
Fair streiten kann nur, wer ein gewisses Maß an Reife mitbringt. Wir alle wissen, wie schrecklich es sein kann, wenn ein Streit eskaliert. Eben deswegen müssen wir lernen fair zu streiten. Streit verhilft zu klaren Verhältnissen und ist ein „Hausputz“ für die Beziehung.
Vergesst aber nicht: Es gibt Punkte, wo wir nicht alleine weiterkommen. Scheut euch nicht Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sei es bei guten Freunden oder guten Beratern oder Therapeuten.